Interview

Warum wollen Sie Bürgermeister werden?

Wenn man was verändern will, muss man aktiv werden und etwas machen. Es sollten sich viel mehr Einwohner für ihre Stadt engagieren. Wir habe zu wenig Kreative, Soziologen, Historiker, Geistes- und Naturwissenschaftler im Rathaus und als Entscheidungsträger. Was kann es aber in einer Stadt wichtigeres geben als das Leben? Die Stadtpolitik sollte sich am Menschen orientieren und Ideen entwickeln, die unsere Stadt lebendiger machen. Wir müssen uns vielmehr um unsere Kinder kümmern. Sie sind unsere Zukunft. Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen, die hier studiert haben, in der Stadt bleiben, eine Familie gründen.

Was sind Ihre wichtigsten drei Punkte für Rostock?

Ich bin für eine transparente und offene Stadtpolitik, die auf die Bedürfnisse der Bürger eingeht und mit ihnen zusammen unsere Stadt proaktiv gestaltet und zukunftsfähig macht. Dafür brauchen wir eine Strategie, die aufzeigt, was uns wichtig ist und wohin wir Rostock entwickeln wollen.

Ich bin für eine familienfreundlichere Stadt. Dafür brauchen wir mehr Frei- Spiel- und Naturräume für unsere Kinder, bessere Schulen und Kindergärten, ein Fahradwegenetz, mehr Mehrraumwohnungen und mehr Kultur.

Ich bin für bessere Rahmenbedingungen für Kreative, Gründer und Unternehmen. Dafür brauchen wir ein Kreativ- und Startup-Zentrum, eine bessere Förderung von Gründern und eine Senkung der Unternehmenssteuern.

Darf ich noch einen vierten Punkt nennen?

Ja.

Ich bin für ein Ende der nutzlosen Schwarze-Null-Politik. Wir brauchen sinnvolle Investitionen in Bildung, Kultur, neue Mobilität, ÖPNV, Wohnraum und digitale Infrastruktur.

Was wollen Sie konkret unternehmen?

Ich möchte ein neues Mindset im Rostocker Rathaus, ein neues, positives und zukunftsorientiertes Denken. Wenn wir es schaffen, das im Rathaus zu etablieren, springt das auf unsere Einwohner über und wir werden wieder zu einer Gemeinschaft, die optimistisch die Zukunft unserer Stadt gestaltet!

Ich für den Bau von günstigen Mehrraumwohnungen. Das ist im Interesse von Studenten, Senioren und Familien. 1-2 Raumwohnungen führen zur Vereinzelung und dienen vor allem dem Profit der Investoren. Die Architektur einer Stadt prägt den Menschen. Wenn wir Betonklötzer bauen, werden die Menschen auch zu Betonklötzern. Das Gebäude am Glatten Aal ist alles andere als nach menschlichen Maßstäben gebaut. Gerade die Stadtviertel Groß Klein, Lütten Klein, Schmarl, Lichtenhagen, Dierkow und Toitenwinkel müssen entwickelt werden um der Gentrifizierung entgegenzuwirken.

Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für Gründer und Unternehmer. Ich möchte ein Kreativ- und Startup-Zentrum aufbauen und eine Veranstaltung initiieren, die Gründer, etablierte Unternehmer, Kreative und die Öffentlichkeit zusammenbringt. Als Vorbild könnte Aachen 2025 dienen. https://aachen2025.de/  Wir werden im Zuge der Digitalisierung viele neue Ideen brauchen, neue Arbeitsformen werden entstehen und der Anteil der Arbeit, die man wirklich wirklich will, um mit Frithjof Bergmann zu sprechen, könnte steigen. Gründer sollen im ersten Jahr nach Gründung von der Unternehmenssteuer befreit sein.

Eine Verbesserung der Bedingungen für Studenten mit Kind erhöht die Attraktivität unserer Universitätsstadt. Kindergartenplätze für junge Menschen in der Ausbildung müssen kostenlos sein. Außerdem müssen sie erleichterten Zugang zu Wohnraum erhalten.

Um den Verkehr in der Stadt zu verringern ist es sinnvoll, umliegende Gemeinden besser anzubinden. Um zu testen, wie das am besten erfolgen kann, will ich ein Pilotprojekt mit E-Bussen starten.

Wenn Kultur nur einer kleinen Gruppe zugänglich ist, verliert der große Rest seine Normen und Werte. Denn darum geht es in Kunst und Kultur, um gesellschaftliche Werte. Darum müssen in allen Stadtvierteln kulturelle Graswurzelinitiativen unterstützt werden.

Ein neues Theater braucht ein klares künstlerisches Gesamtkonzept und ein Finanzierungskonzept für die operativen Kosten. Es muss für alle Rostocker da sein und aktuelle, gesellschaftlich relevante Fragen und Themen aufgreifen. Dann kommt auch das junge Publikum wieder ins Theater.

Laut Jan Gehl erkennt man die Lebensqualität einer Stadt daran, wie viele junge und ältere Menschen man draußen auf der Straße sieht. Ich will öffentliche Plätze zu Begegnungsorten machen. Der Mensch sucht auch in der Stadt die Natur. Es werden jedoch ständig ohne erkennbare Motivation Bäume gefällt. Wir brauchen mehr grüne, naturnahe Bereiche in der Stadt, dazu zählen gerade auch Kleingärten.

Ich habe das Gefühl, dass wir unsere jungen Menschen nicht genügend auf die Zukunft vorbereiten. Sie sind den Inhalten des Netzes ausgeliefert. Wir müssen unsere Kinder schützen und sie zu kreativen Persönlichkeiten bilden. Gerade die Jüngsten in Krippe und Kindergarten brauchen eine kompetente Betreuung. Die Wertschätzung und Entlohnung von Erziehern muss gesteigert werden!

Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Da ich keine Lobby, keinen Werbeetat und nicht jahrelang im Rathaus gearbeitet habe wie die meisten der Kandidaten, denke ich, dass ich sehr große Chancen habe. (lacht)

Ich denke aber, dass ich die Interessen und Wünsche vieler Rostocker benenne und vertrete.

Ich möchte Teil eines Teams werden, das mit Freude und gegenseitigem Respekt optimistisch in die Zukunft blickt.

Herzlichen Dank.

NDR: Wenn sie Bürgermeister werden dann…

wird Rostock lebendiger.

Wir kümmern uns mehr um unsere Kinder und damit um unsere Zukunft. Wir schaffen Frei- und Naturräume in der Stadt. Wir beenden das sinnlose Bäumefällen. Wir verbessern unsere Bildungsinstitutionen und schützen unsere Kinder vor nicht kindgerechten Medieninhalten.

Wir sorgen dafür, dass Familien gern in der Stadt leben und Studenten die hier studiert haben auch hierbleiben. Dafür brauchen wir vor allem Mehrraumwohnungen, ein Fahradwegenetz, öffentliche Plätze, die Begegnungsorte sind. Wir brauchen eine Architektur die sich nach dem Menschen richtet. Wenn wir Betonklötzer bauen, werden die Menschen auch zu Betonklötzern.

Wir schaffen ein Kreativ- und Startupzentrum und fördern Kreative, Unternehmer und Gründer. Im Zuge der Digitalisierung brauchen wir dringend neue Ideen und der Anteil der Arbeit, die man wirklich wirklich will könnte steigen. Wir brauchen neue Antworten für den Umgang mit Digitalisierung, Beschleunigung und exponentiellem Wachstum.

Kunst und Kultur sind das schönste, das der Mensch hervorbringen kann. Es macht den Menschen erst zum Menschen. Macht das Menschsein erst menschlich und schön. Kunst muss allen Menschen zugänglich sein. Mit mir als Bürgermeister wird es mehr Kunst und Kultur geben und kulturelle Graswurzelinitiativen werden in allen Stadtteilen unterstützt.

Eine übertriebene Sparpolitik ist nicht sinnvoll. Ich bin für mehr weiße Einsen statt schwarzer Nullen. Mit mir wird es Investitionen in Bildung, Kultur, Infrastruktur, Wohnraum und Mobilität geben.

Ich werde eine offene, transparente und kommunikative Stadtpolitik schaffen, die auf menschlichen Werten basiert. Ich stehe für einen neuen Politikstil im Rathaus. Im engen Austausch mit den Einwohnern werde ich eine Zukunftsstrategie entwickeln, die unsere Stadt zukunftsfähig und lebendiger macht.

Wir sind alle Rostocker, die Menschen im Rathaus, die Menschen in den Plattenbauten, die Menschen in der Innenstadt und in Warnemünde. Wir sind eine Gemeinschaft und werden nicht gegeneinander sondern gemeinsam unser Rostock weiterentwickeln!

0381-MAGAZIN:

Warum sollten die Rostocker Ihnen bei der kommenden Oberbürgermeister-Wahl ihre Stimme geben?

Weil ich für einen neuen Politikstil im Rathaus stehe, der auf Offenheit und Transparenz beruht. Weil ich uns Rostocker als Gemeinschaft sehe. Weil mich humanistische und ethische Werte leiten. Weil ich unabhängig bin und kein Geld von Parteien und Unternehmen erhalte. Weil ich Ideen für die Zukunft unserer Stadt habe, die ich gemeinsam mit Ihnen realisieren will.

0381-MAGAZIN:

Was können Sie besser als Ihre Mitbewerber?

Die Aufgabe des Oberbürgermeisters ist es, die Interessen und Bedürfnisse der Einwohner wahrzunehmen und die Stadt unter Berücksichtigung dieser Interessen zu gestalten. Ich kann mich empathisch in die verschiedenen Interessengruppen hineinversetzen, multiperspektivisch denken und bin selbst in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen auf dem neusten Stand. Das sind die Voraussetzungen, um die besten Ideen und Lösungen für unsere Stadt zu finden. Wir brauchen Kreativität, Optimismus und postkonventionelles Handeln um Rostock nach vorne zu bringen.

0381-MAGAZIN:

Wie wollen Sie während einer möglichen Amtszeit den Kontakt zu den Bürgern pflegen?

Ich werde viel draußen unterwegs sein und mit den Bürgern sprechen. Außerdem wird es einen monatlichen Termin geben, an dem ich für Wünsche und Anliegen zur Verfügung stehe. Alibi-Veranstaltungen als angebliche Bürgerbeteiligung wird es mit mir nicht geben, sondern echte Mitbestimmung. Alle Daten der Stadt werden öffentlich gemacht.

0381-MAGAZIN:

Welche Vorstellung haben sie für den öffentlichen Nahverkehr ?

Rostock ist das Zentrum einer Regiopolregion. Die umliegenden Gemeinden müssen besser an Rostock angebunden werden. Das Schülerticket muss es auch für Schüler geben, die in Rostock zur Schule gehen, aber im Landkreis wohnen. Das Studententicket sollte nicht nur für die Stadt, sondern für den gesamten Landkreis gültig sein.

Der ÖPNV in Rostock muss bequemer, günstiger und umweltfreundlicher werden. Das bedeutet u.A. eine Erweiterung des Streckennetzes und den Umstieg von Diesel-Bussen auf E-Busse.

0381-MAGAZIN:

Wie wollen Sie die Zusammenarbeit von Verwaltung und Politik verbessern?

Erfolg beruht auf Inspiration, Kommunikation und Kooperation. Mit positiver Kommunikation kann ich sehr viel erreichen. Neue Konzepte müssen klar formuliert und realisierbar sein, dann werden sie von Landes- und Bundespolitik gehört und gefördert. Es hängt immer am Menschen und an den zwischenmenschlichen Beziehungen.

0381-MAGAZIN:

Ihr Vorgänger Roland Methling hat 15 Jahre die Stadt geprägt. Was würde sich nach Ihrer Amtszeit in Rostock geändert haben?

Nach meiner Amtszeit haben wir eine florierende Kreativ- und Startup-Szene. Viele neue, moderne Unternehmen haben sich bei uns angesiedelt.

Wir haben genug günstigen Wohnraum geschaffen, vor allem Mehrraumwohnungen für Studenten, Familien und Senioren. Wir haben es trotzdem geschafft, mehr Natur in der Stadt zuzulassen.

Wir haben in allen Stadtteilen kulturelle Initiativen und Sportprojekte gefördert und ein flexibles, modernes Theater, dass für alle Rostocker da ist.

Die Stadtverwaltung ist schnell und digital. Wir haben die Vorteile der Digitalisierung genutzt und Rostock zu einer smarten, vernetzten Stadt gemacht.

Die Menschen gehen gern nach draußen, weil die Straßen, Häuser und Plätze schön und nach menschlichen Maßstäben gebaut sind. Sie begegnen sich zu Fuß oder auf dem Fahrrad.

In unseren Kindergärten werden die Erzieher vernünftig entlohnt und ihr Beruf wird stärker wertgeschätzt. Die Schulen haben sich dem Wandel angepasst und bilden unsere Kinder zu kreativen Persönlichkeiten. Die Universität hat ihr Renommee verbessert und Studenten mit Kind sind keine Ausnahme mehr.

Das alles hat dazu geführt, dass wir mehr Familien in der Stadt haben und dass junge Menschen nach Ihrer Ausbildung, nach ihrem Studium hierbleiben.

0381-MAGAZIN:

Haben sie ein politisches Vorbild / Mentor?

Personen aus Politik und Wirtschaft, die heute in der Öffentlichkeit stehen sollten Vorbilder sein. Sie sind es jedoch in den meisten Fällen nicht. Gerade junge Menschen brauchen Orientierung, Vorbilder und Werte. Ich sehe gegenwärtig keinen Politiker, der meine Werte vertritt oder als Mentor dienen könnte.

0381-MAGAZIN:

Ihr Lieblingsplatz in Rostock

Brunnen der Lebensfreude.

0381-MAGAZIN:

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

Es sind mehrere. „Haben oder Sein“ von Erich Fromm, „Resonanz“ von Hartmut Rosa und „Aufklärung jetzt“ von Steven Pinker.

Für unseren Steckbrief benötigen wir ausserdem noch weitere persönliche Informationen und ein PORTRAITFOTO (300 DPI, Druckqualität)

In welchem Teil von Rostock wohnhaft:

41 Jahre in Rostock, zuletzt Hermannstr.23, 2017 Umzug nach Benitz aufgrund der Wohnsituation

Wo geboren? Rostock

Alter: 43

Familienstand: in Partnerschaft lebend, 4 eigene Kinder

Hobbys: Ich saniere ein altes Haus in der Mecklenburgischen Schweiz (www.entenfisch.de) und habe dort die königsblau-Denkfabrik gegründet (www.königsblau-denkfabrik.de). Ich schreibe Gedichte und veröffentliche sie – aktuell: „Der Zauberlehrling 5.0“. Ich spiele klassische und elektrische Gitarre und trete gelegentlich mit einer kabarettistischen Gedichtlesung auf.

erlernter Beruf / Schulbildung: Dipl. Biologe, Dr. rer. nat. / Abitur

Ausgeübter Beruf: Biologe

Partei: –

Persönliche Frage:

Die Möglichkeit, die OB Wahl zu gewinnen, scheint für einen Aussenseiter ohne Partei oder Lobby im Rücken sehr schwer. Warum angagieren sie sich nicht in einer Partei oder im Ortsbeirat um ihre Vorstellung dort umzusetzen. Muss es gleich der Bürgermeisterposten sein?

Fünf Jahre habe ich mich in zwei verschiedenen Parteien engagiert und Erfahrungen gesammelt. Als Bürgermeister könnte ich mehr und schneller etwas bewegen. Wenn man etwas verändern und verbessern will, muss man etwas machen. Eine Möglichkeit ist die Kandidatur als Oberbürgermeister. Machen wir einen Anfang. Machen wir Rostock lebendiger!